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Buchempfehlung: Putins Angriff auf Deutschland

  • Autorenbild: Tanne
    Tanne
  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Na, will jemand nach Paris reisen die nächste Zeit? Oder immer noch Angst vor der Bettwanzen-Pandemie die dort seit den Olympischen Spielen 2023/24 vorherrscht? Nicht gehört - dann Glückwunsch. Und es soll hier nicht darum gehen, dass Bettwanzen nicht existieren, allerdings darum, welches Aufheben darum gemacht wurde. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie Desinformationen gezielt gestreut und aufgebauscht werden, die man im vorliegen Buch nachlesen/ oder nachhören kann (Artikel dazu finden sich hier und hier und ja, ich habe extra die NZZ verlinkt, weil selbst diese damals darüber berichtete).


Mit Putins Angriff auf Deutschland legen die Autoren Arndt Freytag von Loringhoven und Leon Erlenhorst eine ebenso eindringliche wie beunruhigende Analyse moderner Einflussnahme vor. Das Buch macht deutlich, dass die Bedrohung durch Putins Russland längst nicht nur an militärischen Frontlinien stattfindet, sondern zunehmend im Inneren demokratischer Gesellschaften – dort, wo Vertrauen, Zusammenhalt und öffentliche Debatten besonders angreifbar sind. Erschienen ist es bereits Ende 2024, aber irgendwie hat es scheinbar nicht viele Rezensionen dazu gegeben, was ich ausnehmend schade finde. Zum einen, weil das Thema gerade jetzt wieder an Aktualität gewinnt (und ja, mir ist bewusst, dass diese Art der Einflussnahme durch Russland schon seit mindestens 10-15 Jahren stattfindet) zum anderen, weil ich mir mehr öffentliche Diskussion und auch Stellungnahmen aus dem politischen Spektrum darüber wünschen würde.


Im Zentrum des Buchs steht die systematische Verbreitung von Desinformation über soziale Netzwerke bzw. auch über geschlossene Social-Media-Gruppen oder auch Chats wie Telegram. Der Autoren beschreiben kurzweilig und anschaulich, wie gezielt Narrative platziert werden, die nicht durch offensichtliche Lügen überzeugen, sondern durch subtile Manipulation. Gern genommen ist hier im Besonderen ein sehr altes Prinzip, dass schon Josef Goebbels anwandte: Nach dem Prinzip der sogenannten 60/40-Regel wird ein wahrer Kern mit verzerrenden oder frei erfundenen Elementen vermischt. Gerade diese Mischung macht Propaganda so gefährlich, weil sie für viele Menschen plausibel wirkt und ungeprüft übernommen wird. (Wer sich dafür weitergehend interessiert findet hier .)


Erschienen 2024 im Ullstein Verlag.
Erschienen 2024 im Ullstein Verlag.

Besonders überzeugend arbeitet das Buch heraus, dass es bei dieser Strategie weniger um einzelne politische Themen geht, sondern um ein übergeordnetes Ziel: die Destabilisierung demokratischer Staaten. Durch die bewusste Erschütterung des Vertrauens in Institutionen wie freie Presse, Regierung und Staat wird eine Atmosphäre erzeugt, in der Begriffe wie „Lügenpresse“ oder „die da oben“ gesellschaftlich verankert werden. Der Angriff richtet sich damit nicht nur gegen Informationen, sondern gegen die demokratische Ordnung selbst.


Erschreckend ist auch die Diagnose, dass Demokratien diesem Informationskrieg bislang nur unzureichend begegnen. Die Probleme werden oft nicht klar benannt, Gegenstrategien bleiben halbherzig, und in einer Zeit permanenter Reizüberflutung fällt es immer schwerer, Menschen zur kritischen Auseinandersetzung zu bewegen. Ein einmal gesetztes Narrativ entfaltet nachhaltige Wirkung – selbst dann, wenn es später widerlegt wird.


Eine Schwäche hat das Buch, der Einstieg. Dieser ist stellenweise sehr allgemein gehalten und liefert einen kleinen historischen Überblick, wie und warum es zur heutigen geopolitischen Situation kommen konnte. Für Leser*Innen, die sich bereits mit dem Thema beschäftigen, könnten die ersten Kapitel mitunter etwas langatmig wirken. Das ist schade, weil der Rest des Buches es absolut Wert ist gelesen zu werden. Also bitte nicht Abspringen, sondern dranbleiben oder wahlweise die Einführungskapitel einfach überspringen.


Dennoch bleibt Putins Angriff auf Deutschland insgesamt eine eindrucksvolle Warnschrift. Die Autoren zeigen auf, wie verletzlich offene Gesellschaften geworden sind und wie dringend eine aktive Verteidigung demokratischer Werte notwendig ist. Wer verstehen möchte, wie Propaganda im digitalen Zeitalter funktioniert und warum Deutschland im Zentrum hybrider Angriffe steht, findet hier eine ebenso aufschlussreiche wie alarmierende Lektüre. Die Bedrohung dürfte indes mit zunehmender Perfektionierung von KI Bildern und Filmen eher zunehmen und erfordert meines Erachtens einen dringenden Handlungsbedarf von Seiten der Politik und Zivilgesellschaft.



 

Weiterführende Informationen zum Thema Desinformation:

 

Heinrich-Böll-Stiftung, Publikation aus dem Jahr 2020

 

Bundeszentrale für politische Bildung

 

Wenn man sich selbst nicht sicher ist, hilft vielleicht ein Blick auf die die Seite der Agence France-Presse (AFP), der AFP Faktencheck - Faktencheck

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